Schulsozialarbeit

Abschied von Nadine Feber: "Würde die Schule am liebsten mitnehmen"

Wenn Menschen ihre berufliche Wirkungsstätte verlassen, dann wird meist die Metapher vom „weinenden und lachenden Auge“ bemüht. Nadine Feber aber geht mit „zwei weinenden Augen“, wie sie betont. Das Gymnasium Neureut ist der Schulsozialarbeiterin in sechs Jahren fest ans Herz gewachsen. „Am liebsten würde ich die Schule mitnehmen“, sagt sie schmunzelnd. Die 40-jährige verlässt Karlsruhe zum nächsten Schuljahr und zieht mit ihrer Familie zurück in ihre Heimat Baiersbronn. Das ist zum einen dem Wunsch nach einem eigenen, bezahlbaren Haus geschuldet, das sie in dem Ort im Schwarzwald gefunden haben. Zum anderen sollen ihre 7 und 9 Jahre alten Töchter mehr in und mit der Natur aufwachsen. Darauf freut sie sich natürlich. Beruflich aber ist sie traurig, eine „so tolle Einbindung und Zusammenarbeit mit Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften, der Schulleitung und den Eltern“ hinter sich lassen zu müssen.

Nicht nur sie selbst ist traurig. Alle, die am Gymnasium Neureut mit ihr zu tun hatten, wissen, wie engagiert sie ist. Bis Nadine Feber 2015 an die Schule kam, gab es noch gar keine Schulsozialarbeit. „Ich bin anfangs manchmal einfach ins Lehrerzimmer gegangen und habe das Gespräch gesucht“, erzählt sie von dem nicht ganz einfachen Start. Mit ihrer freundlichen und offenen Art und ihren kreativen und sinnvollen Ideen hat sie sich Schritt für Schritt einen Platz erobert und die Schule im Hinblick auf Problemlösungsstrategien und Gemeinschaftsgefühl insgesamt ein großes Stück nach vorne gebracht. Zahlreiche Projekte hat sie zusammen mit ihrer Arbeitgeberin, der Sozial- und Jugendbehörde der Stadt Karlsruhe, angestoßen, die mittlerweile zum regelmäßigen Repertoire des Gymnasiums Neureut gehören. So hat sie die Anti-Mobbing-Woche in Klasse 7 um die Autorenlesung mit Stefanie Höfler und ihrem Buch „Die Tiefseequalle“ ergänzt, um das Thema Mobbing „sachlich und emotional gleichermaßen“ anzugehen, wie sie sagt. Und dass dies gelungen sei, sehe sie immer wieder in Aussagen von Schülerinnen und Schülern, die sie auch Jahre nach dem Projekt noch auf das Buch und die Aktion ansprächen. Auch das theaterpädagogische Projekt mit Rob Dornboos, durch das die Klassengemeinschaft gestärkt werden soll, wurde von Nadine Feber am Gymnasium etabliert. Gerade in Zeiten von Corona wichtig waren die digitalen Elternabende mit Clemens Beisel, wo es um den gesunden Umgang von Kindern und Jugendlichen mit dem Smartphone geht. Auch die Klassen selbst wurden – als es in Präsenz möglich war – von dem Medienpädagogen zur Handy-Nutzung geschult. Ob es das erlebnispädagogische Programm des Teams von „Wolkenkratzer“ für Fünftklässler in der Herrenalber Aschenhütte oder das Floßbau-Projekt des ZIP-Teams im Rheinstrandbad Rappenwört war: Nadine Feber hat vielerlei angestoßen, organisiert und etabliert.  Im vergangenen Jahr ist sie mit dem Corona-Koffer – „Darin waren typischen Sachen für eine untypische Zeit“, wie sie erzählt – durch die 5. Klassen gegangen und hat mit den Kindern über die Entbehrungen, über Ängste und Einsamkeit während des Lockdowns gesprochen.

Ihr Arbeitsalltag war spannend und abwechslungsreicht, so erzählt sie. Am häufigsten kamen Schülerinnen und Schüler wegen Streitigkeiten untereinander zu ihr. Vermehrt aber trauten sich auch Kinder und Jugendliche – manchmal spontan – in ihr Büro, die mit ihr über persönliche und psychische Krisensituationen sprechen wollten. Auch der Ärger mit Lehrerinnen und Lehrern wurde an sie herangetragen. Darüber hinaus hat sie Lehrkräfte beraten, die Tipps für den Umgang mit Schülerinnen und Schülern brauchten, die immer wieder massiv den Unterricht störten. Nicht zuletzt gehörten auch Gespräche mit Eltern, Lehrkräften und Schülern dazu, um gemeinsam Probleme zu lösen. Auch „mit schlimmen Fällen“ musste sie sich in den vergangenen Jahren immer mal wieder beschäftigen; Kinder beispielsweise, „die gar nicht gern in die Ferien wollten, weil die Situation zuhause so bedrückend war“, so Nadine Feber. Die Situationen, in denen Kinder und Jugendliche verzweifelt und mit schwerwiegenden Problemen zu ihr kamen, gehörten zu den schlimmsten in ihrer Zeit in Neureut. Die schönen Erlebnisse und die Erfolge überwiegen aber. „Es gab so viele witzige Momente“, erinnert sie sich. Und: „Wenn Eltern von einstigen Mobbing-Opfern sich dafür bedankten, dass das Leben ihrer Kinder jetzt wieder lebenswert war, dann war das schon ein tolles Gefühl“. Ein gewaltiger Fortschritt sei es auch gewesen, wenn ein Elterngespräch mit ganz viel Widerstand begonnen habe und sich nachher dann doch alle auf einen Konsens einigen konnten. „In solchen Situationen ist es mir wichtig, dass man in erster Linie auf das Kind schaut“, sagt sie.

Nadine Feber, die vor ihrer Zeit am Gymnasium Neureut in der Psychiatrie gearbeitet hat, konnte, wie sie selbst sagt, hier sehr viel lernen. Sie hat sich mit neuen Methoden auseinandergesetzt und wurde immer wieder durch von der Sozial- und Jugendbehörde organisierten Fortbildungen und Netzwerken mit Wissen unterstützt. Im nächsten Schuljahr wird Nadine Feber aller Voraussicht nach am Kepler-Gymnasium in Freudenstadt arbeiten.

Der Blick zurück ist durchweg positiv. Nadine Feber schwärmt von der guten Zusammenarbeit mit den Lehrkräften, „ohne die das niemals hätte so gut laufen können“. Am Gymnasium Neureut gibt es noch keinen Nachfolger oder keine Nachfolgerin für die engagierte Schulsozialarbeiterin. Was wünscht sie der Schule in der Unterfeldstraße für die Zukunft? Nadine Feber zögert keinen Moment. „Ich wünsche mir, dass der Klassenrat ein fester Bestandteil in allen Klassen wird“, sagt sie. Diese demokratische Form der Problemlösung innerhalb von Klassen bringe Ruhe ins Geschehen. Auch wünscht sie sich noch mehr Vertrauen und Zusammenarbeit zwischen Eltern und Lehrkräften „und zwar nicht nur zu hochoffiziellen Anlässen“. Bei Schwierigkeiten solle man keine Angst vor Nähe haben. „Schule“, so betont sie, „ist eine Erziehungspartnerschaft zwischen Lehrkräften und Eltern.“ (mh)

Digitaler Elternabend: Vom gesunden Umgang mit dem Smartphone

Ohne das Smartphone hätten sich viele Kinder und Jugendliche in der Corona-Pandemie vermutlich noch einsamer gefühlt, sich noch mehr gelangweilt. Über soziale Netzwerke kommunizieren, Gamen, Filmchen und Filme schauen, Fotos schießen und einstellen – all das füllte und füllt die Tage, wenn man Freunde nicht treffen darf, wenn viele Freizeitveranstaltungen nicht erlaubt sind. Aber was genau machen die Kinder und Jugendlichen mit ihrem Handy? Nur wenige Eltern wissen genau, was sich bei WhatsApp, Instagram, Snapchat oder TikTok abspielt. Welche Gefahren verbergen sich hinter der Beschäftigung mit dem Smartphone, hinter Social Media und Videospielen? Wann wird das Spiel und die Beschäftigung mit dem kleinen Bildschirm ungesund oder gar zur Sucht? Eltern und allen Interessierten am Gymnasium Neureut mehr Wissen an die Hand zu geben, ist das Ziel des neuen Digitalen Elternabends, den Schulsozialarbeiterin Nadine Feber aufs Neue organisiert hat. Clemens Beisel, Medienexperte und Referent für Social Media, hat sein Informationsangebot, das den Eltern bereits vergangenes Schuljahr zur Verfügung stand, nochmals ausgebaut. Neben den Modulen zu Social Media, Gaming und Youtube hat Clemens Beisel auch Experteninterviews zu Medienerziehung, Medienbildung, Medienabhängigkeit, kreativen Beschäftigungsideen und vielem mehr geführt. Die Module des Digitalen Elternabends können auch einzeln angeklickt und angeschaut werden. Die Zugangsdaten wurden über die Elternvertretungen der Klassen verschickt, das Angebot steht noch bis Mitte Januar 2022 zur Verfügung. Clemens Beisel nimmt übrigens auch die Eltern selbst in die Pflicht: Ein Modul beschäftigt sich mit ihrer Vorbildfunktion: Welches Bild haben die Kinder von den Erwachsenen, wenn deren eigener Tag vom Smartphone bestimmt wird? (mh)

Schulsozialarbeit am Gymnasium Neureut

Schulsozialarbeit ist ein Beratungsangebot der Stadt Karlsruhe für die Schulgemeinschaft und unterstützt

die Schüler*innen, Erziehungsberechtigten und das Lehrerkollegium hier an der Schule.  Sie trägt der

Entwicklung Rechnung, dass Schulen zunehmend vom reinen Lernort zum Lern- und

Lebensort werden. 

 

Die Aufgabenschwerpunkte in der Schulsozialarbeit in Karlsruhe sind:

  • Beratung und Unterstützung von Schüler*innen und Eltern bei schulischen und individuellen Anliegen. Die Beratungsgespräche sind freiwillig, vertraulich und kostenlos.
  • Beratung und Unterstützung von Lehrkräften bei Konflikten, Auffälligkeiten und gruppendynamischen Prozessen in Klassen sowie bei Fragen zum Kinder- und Jugendschutz.
  • Unterstützung der Schule durch Projektarbeit mit Themen wie Prävention, Sozialkompetenz und Stärkung der Klassengemeinschaft sowie Hilfe bei Konflikten in der Klasse. Die Themenauflistung ist nicht abschließend. Hier verfügt die Schulsozialarbeit über eigene finanzielle Mittel.
  • Netzwerkarbeit im Kontakt mit Vereinen und Jugendeinrichtungen im Stadtteil.

Sie erreichen die Schulsozialarbeit am Gymnasium Neureut:

 

Name: Nadine Feber

Raum: 2.18 Aufgang F

Telefon: +49 721 66499819

Sprechzeiten: Mo, Mi, Do, Fr

E-Mail: schuso.neureutgym@sjb.karlsruhe.de

 

Bitte beachten Sie, dass nur ein Teil meiner Arbeit in meinem Büro stattfindet. Wenn Sie mich telefonisch nicht erreichen, dann bitte ich Sie, mir eine E-Mail zu schreiben.

Die Stelle am Gymnasium umfasst 50%, an der Südschule bin ich mit 25% tätig.

 

Als Abteilung des Fachbereiches Jugendhilfe und Soziale Dienste innerhalb der Sozial-

und Jugendbehörde der Stadt Karlsruhe ist die Schulsozialarbeit ein wesentlicher Teil der

Jugendsozialarbeit.

 

Weitere Informationen darüber gibt es unter:

www.karlsruhe.de/schuso

www.karlsruhe.de/impressum/datenschutz.de

 

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