Schülerschaft

Wir werden 50: ideenreich, kreativ und witzig

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Wahrlich groß ist das Ereignis, das dem Gymnasium Neureut bevorsteht: Die Schule feiert in diesem Jahr ihren 50. Geburtstag. Schon lange ist es in der Unterfeldstraße gute Tradition, das Zusammengehörigkeitsgefühl und die Sozialkompetenz der Schülerinnen und Schüler durch zahlreiche außerunterrichtliche Veranstaltungen zu stärken. In diesem Jahr aber offenbart sich der Ideenreichtum und die Kreativität der SMV und vieler Lehrerinnen und Lehrer in besonderem Maße. Bei einer Schulversammlung, ein äußerst seltenes Ereignis, zu dem alle Klassen und Kurse – insgesamt 650 Kinder und Jugendliche - sowie die Lehrerinnen und Lehrer in die Pausenhalle eingeladen sind, wurden nun die Veranstaltungen der kommenden Monate vorgestellt.
Unter dem Motto „50 Jahre“ finden Anfang Juni Projekttage statt, die das Thema literarisch, künstlerisch, kulinarisch, modisch oder auch musikalisch unter die Lupe nehmen. Die Schülerinnen und Schüler dürfen ihrer Kreativität freien Lauf lassen und auch selbst Projekte anbieten. „Wir sind sicher, da zeigt sich sehr viel Potenzial“, betonte SMV-Verbindungslehrerin Caroline Wenz. Einen Fotowettbewerb unter dem gleichen Motto wird die SMV veranstalten, wie Schülersprecher Rouven Düppuis erläuterte. Alles, was sich fotografisch kreativ mit der Zahl 50 anstellen lässt, ist hier gefragt. Die Fachschaft Deutsch hat einen Schreibwettbewerb für die verschiedenen Klassenstufen ausgelobt: Wie wird das Gymnasium Neureut im Jahre 2069 wohl aussehen? Was werden die Enkel der heutigen Schüler ihren Großeltern über den Unterricht erzählen? „Wir würden uns freuen, wenn kreative und witzige Sachen rauskommen würden“, so Birgit Breunig, Abteilungsleiterin für das Fach Deutsch. Ganz bestimmt witzig wird der sogenannte „Musikalische Countdown“: Täglich sollen in einer der großen Pausen drei Hits zu hören sein, an jedem Tag aus einem anderen Jahr – von 1969 bis 2019. Auch hier dürfen die Schülerinnen und Schüler ihren Favoriten wählen. Visuell untermalt wird die Musik von Bildern aus eben diesen Jahren, die SMV-Verbindungslehrer Stefan Kruhl zusammen mit seinem Kurs ausgesucht und zusammengestellt hat. „Es wird drei Rubriken geben: Deutschland, die Welt und das Gymnasium Neureut“, erklärte er. Neben all diesen Events und Veranstaltungen, die in den Schulalltag eingebaut werden, wird es noch eine Festschrift geben, in der vor allem ehemalige Abiturientinnen und Abiturienten sowie Lehrkräfte zu Wort kommen und ihre Geschichten über das Gymnasium Neureut erzählen. Der große Festakt schließlich wird am Samstag, 29. Juni, in der Badnerlandhalle stattfinden und schließlich im Schulhaus mit einer Führung für Ehemalige und einem gemütlichen Beisammensein ausklingen.
Dass das Recht auf Bildung und ein solch gute Schulgemeinschaft keinesfalls selbstverständlich sind, machte Religionslehrer Ludwig Streib am Ende der Schulversammlung deutlich. „Was wir hoffen dürfen, egal welcher Religion wir sind: dass Gottes Segen uns begleitet“, sagte er. Er wünschte allen ein gutes Jubiläumsjahr und bat noch einmal um Unterstützung von ganz oben: „Sei wie der Himmel immer über unserer Schule.“ (mh)

In der Krippe erkennen, was Gott für einer ist

Fast 70 Millionen Menschen auf der Erde sind derzeit auf der Flucht. Sie haben ihre Heimat verlassen, um sich zu retten, um Frieden zu finden oder einfach, um ein besseres Leben zu führen. Sie haben sich aufgemacht. Aber auch wir, die wir das Glück haben, nicht wegen Krieges oder Hunger flüchten zu müssen, machen uns immer wieder auf. Wir gehen Wege, die Mut erfordern, weil wir schwierige Aufgaben erledigen, uns bei jemandem entschuldigen oder einen Menschen in einer schweren Situation begleiten sollen. „Mache Dich auf“ war auch der Titel des diesjährigen Weihnachtsgottesdienstes des Gymnasiums Neureut.

„Was für ein wundervoller Anblick – bunt und lebendig“, freute sich Religionslehrerin Andrea Hauber angesichts der sehr gut besuchten Kirche St. Judas Thaddäus. Zusammen mit ihrem Kollegen Ralf Kirschke und zahlreichen Schülerinnen und Schülern aus allen Klassenstufen hatte sie diesen feierlichen Gottesdienst gestaltet und organisiert. Mit dabei waren auch die Lehrerinnen Claudia Klant und Christine Schott, die die ökumenische Veranstaltung zusammen mit Schülern instrumental umrahmten, und Lehrer Alexander Völker, der die Weihnachtsgeschichte vorlas. „Stellt euch vor, es hätten sich heute Morgen nicht so viele aufgemacht, um mit uns Gottesdienst zu feiern“, gab Hauber zu bedenken. „Der Raum wäre menschenleer und trist.“ Unterwegs zu sein, präge uns alle. Schon vor 2000 Jahren seien die Menschen unterwegs gewesen und hätten ein Ziel gehabt, so die junge Lehrerin. Diese Geschichte von Weihnachten erzählten und spielten Schülerinnen und Schüler als modern erzähltes Evangelium. „Mitten im Nichts ein Kind“, staunte da ein Hirte, gespielt von einer Fünftklässlerin. „Klein und doch so voller Liebe.“ Und in der modernen Weihnachtsgeschichte machten sich auch Schülerinnen und Schüler zur Krippe auf und tauschten sich über ihre Gedanken aus. „Ich glaube, dass ich dem Kind alles anvertrauen kann“, sagte eine Schülerin. Für ihren Mitschüler war es wichtig, die Botschaft in die Welt hinauszutragen, wie wichtig Respekt ist und dass jeder Einzelne, auch der Kleine und Schwache, zählt.

Wenn die Menschen sich damals nicht aufgemacht hätten, wüsste niemand von dem Kind in der Krippe und das Gesicht Gottes wäre weiter im Dunkeln geblieben. „Und das macht mich froh und gibt mir Vertrauen, dass wir in der Krippe erkennen können, was Gott für einer ist“, so Ralf Kirschke. Gott sei Mensch geworden, so Andrea Hauber, und zeige sich als Kind. Aufzustehen, sich aufzumachen zu diesem Kind und es in unsere Herzen zu lassen; mit einer neuen Sicht aus diesem Gottesdienst in die Welt zu gehen – darum ginge es. Und so war die Botschaft an die Schülerinnen und Schüler, an die Lehrerinnen und Lehrer für die Weihnachtszeit und weit darüber hinaus: „Hört nicht auf aufzustehen!“ (mh)

Von Tiefseequallen, „meinem persönlichen Außenseiteralbtraum“ und davon, wie Lügen zu einer literarischen Karriere werden können.

Zum Auftakt der Anti-Mobbing-Tage der siebten Klassen las die Jugendbuchautorin Stefanie Höfler für die Schülerinnen und Schüler aus ihrem Roman „Tanz der Tiefseequalle“, der für den deutschen Jugendbuchpreis 2018 nominiert war.
Ein Teil der Siebtklässler/innen hatte den Roman bereits im Unterricht gelesen und es ist kein alltägliches Erlebnis, eine Autorin, deren Werk man im Fach Deutsch durchgenommen hat, live zu erleben, sie darüber sprechen zu hören, wie es überhaupt zu dem Roman kam, nach seiner Meinung über die Geschichte und die Figuren gefragt zu werden und selber Fragen stellen und Kritik äußern zu können.
Die beiden Hauptfiguren sind Nico, der wegen seines Übergewichts verlacht und geärgert, ausgegrenzt und terrorisiert wird, der sich als „Tiefseequalle“ beschimpfen lassen muss. Und die schöne Sera, die es nicht gut findet, wie alle mit Nico umgehen, aber nichts tut. Die zwar sehr gut aussieht, sich aber trotzdem nicht vor dem „tollsten“ Jungen der Klasse schützen kann, als der sie begrabscht und beknuscht.
Laut Stefanie Höfler erzählen sie die gleiche Geschichte, aber doch nicht dieselbe. Sie liest Passagen aus dem Roman vor und verdeutlicht die Perspektiven der Figuren, indem sie zwischen zwei Stühlen wechselt: Als Nico liest sie auf dem schwarzen Stuhl, als Sera auf dem weißen. Anschließend tauscht sie sich mit den Schülerinnen und Schülern über die gelesenen Abschnitte aus: Hättet ihr euch so verhalten wie Mobbingopfer Nico? Was ist ein Held? Kann ein Held Mobbingopfer werden? Stellen die Schülerinnen und Schüler sich die Figuren so vor, wie sie sich die Autorin vorgestellt hat? Welche Handlungsmöglichkeiten für die Charaktere hätten sie gesehen? Wie ist die Autorin auf die Idee zu der Geschichte gekommen?
Die Jugendlichen beteiligten sich engagiert am Gespräch und erfuhren viel Interessantes: Stefanie Höfler hat als Lehrerin selbst Mobbingopfer betreut. Sie hat erlebt wie es ist, wenn jemand „aufs Übelste drangsaliert wird“. Sie ist als Schülerin mit einem Jungen befreundet gewesen, dem jegliche Körperbehaarung fehlte und dessen Aussehen daher sehr weit weg vom Normbild war. Diese Erfahrungen hätten schließlich zur Idee geführt eine Geschichte über jemanden zu schreiben, der nicht dem gesellschaftlich normierten, als schön empfundenen, erwarteten Aussehen entspreche. Zum Teil kämen Szenen ihrem „persönlichen Außenseiteralbtraum“ gleich.
Auf Nachfragen beschreibt die Autorin, wie das überhaupt vor sich geht, wenn man ein Buch schreibt, was zwischen der Idee und dem Buch, das man in die Hand nehmen kann, alles liegt. Und gefragt, wie sie überhaupt Autorin geworden sei, stellt sie eine Gegenfrage: „Wer von euch hat schon mal seine Eltern angelogen?“ Nach einigen verschämten Blicken hin und her meldet sich ihr gesamtes Publikum. (Man behauptet: einschließlich anwesender Lehrkräfte!) Und Stefanie Höfler berichtet fröhlich, dass es eine Phase in ihrer Kindheit gegeben habe, in der sie sehr gern gelogen habe, was für ihre Eltern nicht leicht gewesen sei. Aber sie habe solchen Spaß daran gehabt, dass sie irgendwann damit begonnen habe, die ausgedachten Dinge aufzuschreiben. Es habe aber dann noch gedauert, bis sie über 30 gewesen sei, bevor sie ihren ersten Roman geschrieben habe.
Die Wochenzeitung „Die Zeit“ schreibt über „Tanz der Tiefseequalle“, es sei „ein Roman über Mobbing und die Gewalt von Sprache. [...]. Es geht um Liebe, um Verrat und darum, was Freundschaft bedeutet. Kurzum, es geht um so ziemlich alles, was einen beim Erwachsenwerden umtreiben kann.« [Katrin Hörnlein, DIE ZEIT, 9.3.2017]

Es scheint also genau der richtige Roman für Schule und Unterricht zu sein!

Studienfahrt Paris (Kurs Buff)

Begrüßung zum Jugendforum

Jugendforum der Atomtage: „Das hat uns die Augen geöffnet“

Die  Forderungen  der  Schülerinnen  und  Schüler  des  Gymnasiums  Neureut  sind eindeutig: die Abschaltung aller Atomkraftwerke weltweit und eine viel stärkere Nutzung  erneuerbarer  Energien.  „Uns  ärgert,  dass  Deutschland  Uran  aus Ländern  bezieht,  wo  die  Menschenrechte  massiv  verletzt  werden“,  so  Tijana Tomcic.  Zusammen  mit  Lucas  Denecken  und  Kim  Winkler  war  Tijana  als Vertreterin  des  Jugendforums  der  Karlsruher  Atomtage  zur Abschlussveranstaltung  im  Ziegler-Saal  in  der  Südstadt  gekommen,  um  die
Forderungen, den Ärger und die Fragen der jungen Leute in die Öffentlichkeit zu tragen.
Bereits das 4. Mal veranstaltete Sylvia Kotting-Uhl, Bundestagsabgeordnete von Bündnis  90/Die  Grünen  sowie  Vorsitzende  des  Ausschusses  Umwelt, Naturschutz  und  nukleare  Sicherheit,  zusammen  mit  dem  Landes-  und Kreisverband  sowie  den  Grünen  im  Europäischen  Parlament  die  Karlsruher Atomtage  mit  Vorträgen  und  Exkursionen.  Alljährlich  findet  hierbei  auch  ein Jugendforum  an  einer  Schule  statt.  Die  Fachschaft  Gemeinschaftskunde  des Gymnasiums Neureut hatte sich entschlossen, das Forum mit dem Titel „Uran – der Stoff, aus dem die Albträume sind“ zusammen mit dem Wahlkreisbüro von Sylvia  Kotting-Uhl  zu  organisieren  und  in  den  Räumen  des  Gymnasiums  zu veranstalten. Mit von der Partie waren beide Leistungskurse Politik der 11. und 12. Klasse. Einerseits war das Ziel des halbtägigen Workshops, die Schülerinnen und Schüler für politische Arbeit zu begeistern, sie zu kritischen und engagierten Bürgern  zu  machen,  die  etwas  bewegen  wollen.  Andererseits  ist  der  Nutzen einer aktiven Menschenrechtspolitik auch Thema des Bildungsplans.  
Bereits  vor  dem  Jugendforum  waren  die  Oberstufenschüler  beim  Besuch  des Films „Yellow cake – die Lüge von der sauberen Energie“ im Schauburg-Kino mit dem Abbau von Uran in der ehemaligen DDR, in Kanada, Australien und Namibia konfrontiert  worden.  Besonders  entsetzte  die  Schüler,  was  mit  den unglaublichen Mengen an strahlendem Abfall geschieht, der bei der Gewinnung von  Uran  anfällt.  „Das  hat  mich  total  schockiert“,  so  Lucas  Denecken,  der  die Oberstufe  auf  dem  Podium  der  Abschlussveranstaltung  vertrat.  „Wir  müssen dieses Wissen an alle weitergeben. Viele haben davon keine Ahnung“.  
Beim  Workshop  in  der  Schule  hatten  die  Kurse  in  Kleingruppen  am  Computer zum Thema Uranabbau recherchiert: Was ist Uran überhaupt? Wo wird es unter welchen  Bedingungen  abgebaut?  Kann  man von  Menschenrechtsverletzungen sprechen?  Welche  Firmen  sind  beteiligt?  Mit  diesen  Fragen  setzten  sich  die Gruppen auseinander, um am Ende dann Forderungen, Fragen und ihren Ärger zu sammeln und auf Plakaten zu formulieren, die dann auf der  Abschlussveranstaltung der Atomtage präsentiert wurden. „Mit dem  
Atomausstieg gilt das Thema für viele in Deutschland als abgewickelt“, erklärte Sylvia Kotting-Uhl bei der Begrüßung der Kurse im Studiensaal des Gymnasiums Neureut. „Dabei ist das eine unglaublich große Zukunftslast, die vorhanden ist,  auch wenn man sie nicht sieht. Ihr seid mit diesen Hinterlassenschaften konfrontiert“.  
Besonders deutlich wurden die Gefahren des Abbaus und der Altlasten noch  einmal in zwei Vorträgen von Experten, die mit Lucas zum Abschluss der  Atomtage auf dem Podium saßen. Günther Wippel von Uranium Network setzte sich mit „Menschenrechtsverletzungen für unseren Strom“ auseinander und  Harry Block vom Bund Umwelt- und Naturschutz Deutschland mit dem Thema „Deutsche Urangeschäfte trotz Atomausstiegs“. Hier zeigte sich, neben den  hohen Gefahren für die Arbeiter in Abbauländern, welche Rolle die Bundesrepublik trotz des Ausstiegs bei der Verarbeitung des Urans immer noch spielt. So wird in Gronau an der niederländischen Grenze Uran angereichert, das dann im niedersächsischen Lingen zu Brennstäben und Brennelementen verarbeitet wird. Dabei fallen Tausende Tonnen hochgefährlichen Abfalls an, die in Gronau in offenen Fässern herumstehen, so Harry Block. Darüber hinaus sei die Herstellung der Brennelemente, die vor allem an ausländische Atomkraftwerke geliefert würden, unglaublich teuer und benötige enorm viel Energie, die wiederum über die CO2-intensive Braunkohle hergestellt werde.  
„Es wird Zeit, dass ihr ans Ruder kommt“, meinte ein älterer Mann aus dem Publikum zu Lucas, Tijana und Kim. Und auch Sylvia Kotting-Uhl erklärte, dass es wichtig sei, dass sich junge Menschen jetzt der Atompolitik annähmen.  
Gleichzeitig wollte sie von dem Oberstufenschüler wissen, ob solche Themen nicht häufiger Eingang in die Schulen finden sollten. „Die Atomtage haben bei mir einen großen Eindruck hinterlassen. Man sollte das an allen Schulen machen“, betonte Lucas. „Es hat uns die Augen geöffnet, dass jetzt etwas passieren muss!“ (mh)

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