Eva Gröger-Kaiser: Wir-Gefühl am Gymnasium Neureut überall spürbar

Seit zehn Jahren wird Eva Gröger-Kaiser von Motte, einer braunen Labradorhündin mit klugen Augen, treu begleitet. Sie könnte ihr durchaus auch dabei helfen, ihrem Ziel noch ein Stück näherzukommen. „Ich möchte eine Schule, in die alle jeden Tag gerne gehen“, sagt die 51-jährige, die seit diesem Schuljahr Leiterin des Gymnasiums Neureut ist. Dass dieses Ziel sehr hochgesteckt sei, wisse sie. „Ich bin ja nicht naiv“. Aber dennoch: „Es ist entscheidend, dass sich alle zugehörig fühlen“, betont sie.
Eva Gröger-Kaiser, die in Berlin geboren ist und ihr Abitur im rheinland-pfälzischen Wörth gemacht hat, ist davon überzeugt, dass die verschiedenen Stationen und Aufgaben, die zahlreichen Menschen und Städte, die sie kennengelernt hat, sie offener und empathischer gemacht haben. „Ich habe gesehen, dass hinter vielen Fassaden noch etwas anderes steckt“, sagt sie. Nach einer Ausbildung zur Biologisch-technischen Assistentin in Landau hat sie Biologie in Frankfurt am Main sowie Biologie und Chemie auf Lehramt in Karlsruhe studiert. Nach dem 1. Staatsexamen Ende der 90er-Jahre waren die Aussichten selbst für Lehrkräfte mit naturwissenschaftlichen Fächern in Baden-Württemberg keineswegs rosig. Und so wagte sich Eva Gröger-Kaiser nach Bewerbungen im ganzen Bundesgebiet in völlig unbekannte Gefilde und absolvierte ihr Referendariat in Pampow bei Schwerin in Mecklenburg-Vorpommern. „Das war die für mich prägendste Zeit, weil ich ganz auf mich allein gestellt war“, erzählt sie. Obwohl es eine schöne Zeit gewesen sei, entschied sie sich nach dem 2. Staatsexamen für die Rückkehr nach Baden-Württemberg und bekam eine Stelle im schwäbischen Welzheim, wo sie vier Jahre blieb. Aus persönlichen Gründen entschied sie sich 2004 nach Karlsruhe zu kommen. Sie bewarb sich am Helmholtz-Gymnasium – und hatte Glück: „Ich bekam zwar nicht die ausgeschriebene Stelle, aber der damalige Schulleiter wollte mich gerne an seine Schule holen und ermöglichte mir die Versetzung an das Helmholtz-Gymnasium“, erinnert sie sich. In ihrer Zeit an der Schule am Mühlburger Tor sammelte sie zahlreiche Erfahrungen: Sie leitete die Sammlung in der Chemie, war Fachbeauftragte, Gleichstellungsbeauftragte und Oberstufenberaterin. Daneben arbeitete sie als Fachberaterin für das Fach Chemie und Ansprechpartnerin für NwT am Regierungspräsidium. 2011 wurde sie auch Lehrbeauftragte am Seminar für Didaktik und Lehrerbildung und unterrichtete dort angehende Lehrkräfte im Fach Chemie. Was machte ihr viel Freude, was gefiel ihr weniger? Während die Oberstufenberatung „wie von selbst ging“ und die Arbeit am Seminar „sehr viel Freude“ machte, blieb Eva Gröger-Kaiser die Fachberatung immer ein wenig fremd. Bei all den vielen unterschiedlichen Aufgaben war es ihr nach einigen Jahren ein Bedürfnis „irgendwo zu landen“. Und wieder war es neben ihrer Kompetenz und dem großen Engagement auch ein wenig Glück, dass der Schulleiter am Helmholtz-Gymnasium 2012 eine Abteilungsleiterstelle anbieten konnte. Es sei die Teamarbeit, die sie besonders begeistere und die man als Abteilungsleiter brauche. „Und so hat mir die Arbeit sehr viel Freude gemacht“, erzählt sie. Als dann die Schulleitungsstelle am Helmholtz-Gymnasium ein Jahr lang vakant war, hat sie im Team mit anderen in der erweiterten Schulleitung die Schule geführt. „Das war eine tolle Übung“, betont Eva Gröger-Kaiser. „In dieser Zeit habe ich gemerkt, dass ich mir vorstellen kann, ein Team zu führen und eine Schule weiterzuentwickeln“.
Es ist vor allem die Vielfältigkeit der Aufgaben als Schulleiterin, die sie reizt, und das Miteinander in unterschiedlichen Gruppen – Schülerinnen und Schüler, die Lehrkräfte, das Sekretariat, die Eltern, die Realschule, der Förderverein und der Schulträger. Empathievermögen, eine große Erfahrung sowie Lust und Energie, eine Schule immer ein Stückchen besser zu machen, bringt sie mit. Wo sieht sie die Stärken und Schwächen des Gymnasiums Neureut? „Unabhängig von den Bereichen, in die ich bisher Einblick hatte: Überall herrscht hier ein großes Wir-Gefühl“, so ihre positive Einschätzung. Vieles laufe schon ausgesprochen gut. Gleichwohl sieht Eva Gröger-Kaiser „eine extreme Diskrepanz zwischen dem, was hier schon läuft, und der Außenwirkung“. Gemerkt habe sie das auch daran, dass viele die Augenbrauen gehoben hätten, als sie von ihrer Bewerbung als Schulleiterin am Gymnasium Neureut erzählt habe. Es sei enorm wichtig, „Gutes nicht nur zu tun, sondern auch mehr darüber zu sprechen, das Gute auch mit Wertigkeit zu verpacken“, betont die neue Schulleiterin. Neben der Außenwirkung liegen ihr aber noch zwei weitere Dinge am Herzen: die Digitalisierung und die Differenzierung. Sie wünscht sich die Erarbeitung eines tragfähigen Differenzierungskonzepts, das in Klasse 5 für Mathe und Deutsch beginnt und das dann in den oberen Klassen weitergeführt wird. „Es geht darum, dass die Schülerinnen und Schüler lernen, selbstständig zu arbeiten, ihre Stärken und Schwächen kennenzulernen und daran zu arbeiten “, erklärt Eva Gröger-Kaiser. Schule, so sagt sie, müsse auf die Veränderungen in der Gesellschaft reagieren. Dazu gehöre die Digitalisierung, die gleichwohl die alten Kulturtechniken des Lesens und des Schreibens mit dem Stift nicht ausmerzen solle. „Wir müssen beides im Hinterkopf behalten“, betont sie. „Im besten Fall können sich Digitalisierung und Differenzierung gegenseitig stärken“.
Auch Motte, die ganz brav in ihrem Körbchen neben dem Schreibtisch liegt, könnte im Schulleben eine Rolle spielen. Als ehemaliges Mitglied der Rettungshundestaffel hat die Labradorhündin das Zeug dazu, den Lauten und Frechen zu zeigen, dass in der Ruhe die Kraft liegt. Den Schüchternen und Ängstlichen aber könnte sie mit ihrer Zuneigung Selbstbewusstsein geben. Wenn die nächste Lehrerkonferenz also grünes Licht gibt, würde die neue Leiterin des Gymnasiums Neureut Motte bei Bedarf als Schulhund einsetzen.
Seit August nun hat Eva Gröger-Kaiser das Schulleiterzimmer in der Unterfeldstraße bezogen. Und es liegt noch viel Arbeit vor ihr, bis sie alle Strukturen und Abläufe am Gymnasium Neureut kennt und sich vollständig eingearbeitet hat. Sehr viel Zeit für ihre Hobbies – Wandern, Nordic Walking und Nähen – bleiben ihr im Augenblick nicht, auch wenn die 51-jährige, die mit einem Informatiker verheiratet ist, Wert legt auf eine gute „work-life-balance“. Glücklicherweise aber macht Motte durch ein sanftes Stupsen mit der Schnauze und einen erwartungsvollen Blick deutlich, dass die Schulleiterin jetzt den Computer ausmachen und mit ihr laufen soll. Eine gute Schulhündin wie Motte hat eben auch ein Gespür dafür, wann die sehr Fleißigen einmal Pause machen sollten. (mh)

Eva Gröger-Kaiser: Gegenseitige Wertschätzung und Engagement wichtig

Ein respektvoller Umgang im Miteinander an dieser Schule ist ihr ein zentrales Anliegen. Eva-Gröger Kaiser, die neue Leiterin des Gymnasiums Neureut, stellte sich nun in einer Schulversammlung in der Pausenhalle den Schülerinnen und Schülern vor. Sie betonte, dass sie gerade auch die gegenseitige Wertschätzung zwischen „Groß“ und „Klein“ erwarte. Die 51-jährige, die vorher 15 Jahre am Helmholtz-Gymnasium unter anderem Abteilungsleiterin für die Naturwissenschaften und Oberstufenberaterin gewesen war, zeigte sich mit den Strukturen an ihrer neuen Schule sehr zufrieden. Gleichwohl betonte sie, dass sie sich noch mehr Engagement der Kinder und Jugendlichen am Gymnasium Neureut wünsche. Um dieses Engagement zu unterstützen, so kündigte sie an, wolle sie bei künftigen SMV-Versammlungen dabei sein. (Siehe auch das Porträt „Eva Gröger-Kaiser: Das Wir-Gefühl ist am Gymnasium Neureut überall spürbar“). mh/te Fotos: Teschke

Design by S.Röhrauer