Drogenprävention

Alkoholprävention: Von der Macht und Zerstörungskraft der Sucht

Frank Milbichs Leben hätte ganz anders laufen können. Er war ein hervorragender Handballer, er hatte eine kleine Familie, eine Ausbildung als Elektriker. Aber der Mann aus Jöhlingen hat alle Chancen ertränkt. „Der Alkohol“, so sagt er ganz offen, „hat mein Leben versaut“. Und er wird in seiner Wortwahl noch drastischer, wenn er von seiner „Endsaufzeit“ berichtet: „Mein Dahinvegetieren bestand aus Saufen, Schlafen, Kotzen“. Am Schluss, in den Jahren 2003 und 2004, trank er am Tag drei Flaschen Schnaps oder anderes Hochprozentiges. Er hatte alles verloren: die Familie, den Beruf, den Sport. Er lebte in einer kleinen, nur noch notdürftig möblierten Wohnung. Speiseröhre und Bauchspeicheldrüse waren entzündet, die Leber mit einer beginnenden Zirrhose bereits angegriffen. „Der Arzt gab mir noch sechs Wochen und sagte: Frank, du säufst dich zu Tode!“. Damals war er 42 Jahre alt.
Wenn der kräftige Mann mit der tiefen Stimme im badischen Dialekt die Geschichte seiner Sucht erzählt, schauen ihn die Achtklässler des Gymnasiums Neureut mit großen Augen an. Alkohol- und Suchtprävention haben sie bisher anders erlebt: Da gab es Ermahnungen und Warnungen, nackte Zahlen, medizinische Erkenntnisse und Statistiken. Hier aber steht einer vor ihnen, den der Alkohol bis an die Grenze geführt hat. Einer, der nicht den Zeigefinger erhebt. Einer, der von der unglaublichen Macht und Zerstörungskraft der Sucht, von Schmerz, Scham und Reue berichtet. Und einer, bei dem es gerade noch einmal gut gegangen ist. Der 57-jährige hat seit 15 Jahren keinen Schluck Alkohol mehr angerührt.
Vor zehn Jahren nun hat Frank Milbich die Alkoholprävention an Schulen, in Vereinen und Firmen zum Hauptberuf gemacht. Und Schulen, die ihn einmal erlebt haben, wollen, dass er immer wieder kommt. Auch am Gymnasium Neureut planen Schulsozialarbeiterin Nadine Feber und Lehrerin Monika Greif ihn alljährlich für alle achten Klassen ein. Zwar ist der Alkoholkonsum bei Jugendlichen in Deutschland insgesamt rückläufig, dennoch sind es immer noch 8,7 Prozent der 12- bis 17-jährigen, die jede Woche zum Glas greifen. Auf 33 Prozent gestiegen ist die Anzahl der jungen Erwachsenen zwischen 18 und 25 Jahren, die regelmäßig und bis zum Rausch trinken. Das Einstiegsalter für den Alkohol liegt bei 13,7 Jahren.
Auch bei Frank Milbich begann es mit 14 Jahren. Er war Fußballer und Handballer. „Wir haben im Verein Stiefeltrinken veranstaltet, Zwei-Liter-Stiefel, die ringsum liefen“, erzählt er, als eine Schülerin ihn fragt, wie alles angefangen hat. „Ich war stolz und dachte, ich bin der Super-Coole, der am meisten trinken kann“. Schleichend habe es angefangen, erst mit Cola-Bier, dann mit Bier, Wein und schließlich als Erwachsener mit Hochprozentigem – erst am Wochenende und schließlich schon am Morgen. „Aber immer habe ich gedacht, ich hätte kein Problem und alles im Griff“. Dass er nichts mehr im Griff hatte, erzählt er an einem Beispiel, für das er sich heute noch zutiefst schämt: „Ich habe den Kinderwagen mit meinem kleinen Sohn vor dem Supermarkt stehen lassen“. Es war Februar, eiskalt, und Frank Milbich hatte die tägliche Ration Hochprozentiges eingekauft. Er wollte schnell nach Hause – trinken. Erst Stunden später, nachdem seine Lebensgefährtin von der Arbeit gekommen war, ihn aus dem Alkohol-Schlaf gerissen und panisch nach dem Sohn gefragt hatte – fanden sie den Kleinen vor dem Edeka-Markt im Kinderwagen vor, glücklicherweise noch wohlauf. Trotz des Ultimatums seiner Freundin führte auch dieses Ereignis nicht zur Einsicht. „Der Alkohol war stärker“, sagt er.
Erst als Milbich körperlich schon schwer krank war, alles verloren hatte, schleppte ihn seine Mutter zum Arzt. Die lebensbedrohlichen Blutwerte, die Entzündungen, die Aussage des Arztes, dass er nicht mehr lange zu leben habe – auch das wirkte nicht. „Und dann kam der alles entscheidende Hallo-wach-Satz des Arztes: ´Frank, willst du wirklich, dass dein Sohn in der Schule sagen muss: Mein Vater hat sich zu Tode gesoffen´?“ Frank Milbich machte in einer unglaublichen Tortur einen kalten Entzug in seiner kleinen Wohnung. „Die Schmerzen, Krämpfe, Halluzinationen wünsche ich meinem ärgsten Feind nicht“. Ein halbes Jahr lang verließ er die Wohnung nur, um zu den Sitzungen der Anonymen Alkoholiker zu gehen. Dass er es geschafft hat und gesund ist, grenzt für die Ärzte an ein Wunder. Geholfen haben ihm die Fotos von seinem Sohn, für den er es schaffen wollte. Ein großes Glück ist für den 57-jährigen auch, dass er heute ein tolles Verhältnis zu seinem Sohn hat.
Viele Ratschläge gibt Frank Milbich den Achtklässlern nicht. Es genügt, wenn er erzählt, wie peinlich er es mittlerweile findet, was die Leute nach ein paar Gläsern „für einen Scheiß erzählen“. Und dann gibt er den Schülerinnen und Schülern doch noch einen Tipp: „Überlegt euch auf Festen immer: Wer ist der Coole? Der Besoffene in der Ecke oder der, der nüchtern den Überblick bewahrt?“. (mh)

Drogenprävention: Warnung vor dem gefährlichen Rausch

80.000 Menschen sterben in Deutschland pro Jahr an den Folgen von Drogenkonsum. So begann Jürgen Ell, Polizeikommissar vom Referat Prävention des Polizeipräsidiums Karlsruhe seinen Vortrag über Drogen und Drogenkonsum bei den 10. Klassen des Gymnasiums Neureut.
Cannabis ist eine illegale Droge, deren Wirkung anders ist als bei Alkohol. Es bedarf des Konsums mehrerer Gläser Alkohol, bis sich ein „Rausch“ bemerkbar macht. Beim Genuss von Cannabis tritt der Rausch sofort ein. Jürgen Ell erzählte uns, dass 70-80 Prozent der Drogen, die die Polizei einsammelt, verunreinigt sind. Zum Beispiel sind diese mit Haarspray, Schuhcreme oder Vogelsand präpariert, um die Drogenmenge und –wirkung zu erhöhen. „Profis“ besprühen die Ware mit einem Kunstharzlack, einer Zucker-Hormon-Lösung, um den Stoff frischer aussehen zu lassen. Der Rausch, den man bekommt, wenn man Cannabis konsumiert, findet laut Ell nur statt, weil die Droge mit Chemikalien gestreckt wurde. Die Droge bewirkt im Gehirn bestimmte Reize und zerstört Gehirnzellen, weswegen bei den Menschen, die Cannabis konsumieren, das Kurzzeitgedächtnis zerstört wird. Ebenso erklärte der Kommissar uns, dass die Hauptkonsumenten zwischen15 und 25 Jahre alt sind. Momentan liegt das Einstiegsalter bei 12 Jahren. Dies ist besonders bedenklich, da Jugendliche zu diesem Zeitpunkt noch im Wachstum sind und es zu Gehirnschädigungen durch den Genuss von Cannabis kommen kann.
Auch die Droge Ecstasy war Thema im Vortrag von Jürgen Ell. Ecstasy-Tabletten sind im Grunde genommen Amphetamine, die zu einer Ausschüttung von Botenstoffen und Hormonen führen. Sie unterdrücken Hunger, Durst und Müdigkeit. Diese Droge macht nach dem 2. oder 3. Einnehmen bereits süchtig, da man sich immer mehr nach diesem Glücksgefühl sehnt. Um Konsumenten anzulocken, haben die Tabletten ein sehr buntes Erscheinungsbild, schmecken süß und haben die verschiedensten Formen und Aufdrucke. Herr Ell berichtete, dass ungefähr 60-70% der Waren auf dem Markt gestreckt sind. Ecstasy kann zum Auflösen von Körperzellen und schlimmstenfalls zum Tod führen.
Die Droge Crystal Meth besteht aus dem Grundstoff Ritalin. Mit Hilfe dieser Droge ist es einem Menschen möglich, 72 Stunden wach zu bleiben. Doch irgendwann holt sich der Körper den Schlaf, den er benötigt. Crystal Meth lässt Menschen schneller altern, zerstört Zähne und fügt dem Konsumenten die sogenannte Crystal Akne zu. Dies ist eine Akne, bei der die Pickel und Ausstülpungen im Gesicht ungefähr die Größe eines 1€ -Stückes erreichen.
Am Ende seines Vortrags bat uns Herr Ell aufzupassen, was wir zu uns nehmen, auch weil sich Drogenkonsum im polizeilichen Führungszeugnis wiederfindet, falls wir erwischt werden.

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