Verdun-Austausch: Eine wunderbare, lustige und prägende Woche
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Auch in diesem Jahr hatten einige Schülerinnen und Schüler der 9. Klassen des Gymnasiums Neureut die Möglichkeit, am alljährlichen Schüleraustausch mit dem Lycée Jean-Auguste Margueritte in Verdun, Frankreich, teilzunehmen.
Gegen 8 Uhr morgens machten wir uns vom Gymnasium aus auf den Weg und erreichten nach einer knapp vierstündigen Fahrt das französische Lycée. Nach einer kurzen Begrüßung und einer Lagebesprechung mit unseren „corres“ erhielten wir unser erstes Mittagessen in der „cantine“ des Internats. Dieses fiel deutlich umfangreicher aus als gewohnt: In Frankreich gehören selbst in der Schule mehrere Gänge – „entrée“, „plat principal“ und „dessert“ – ganz selbstverständlich zu einem ordentlichen Mittagessen dazu.
Anschließend stand bereits der erste Programmpunkt auf dem Plan: die Besichtigung des örtlichen Rathauses. Dort wurden wir von Samuel Hazard empfangen, der seit zwölf Jahren Bürgermeister ist und sich als überzeugter Europäer versteht. Er berichtete uns von der deutsch-französischen Freundschaft sowie von der Geschichte des Rathauses. Besonders beeindruckend fanden wir, dass auch Angela Merkel bereits an diesem Ort gestanden und gemeinsam mit dem französischen Präsidenten die deutsch-französische Freundschaft gewürdigt hat.
Neben dem kleinen Museum des Rathauses mit Fahnen, Fotos und Erinnerungsstücken aus dem Ersten Weltkrieg durften wir sogar das Büro von Monsieur Hazard besichtigen. Da er selbst sowohl Schüler als auch Lehrer an Lycée Margueritte war, konnte er uns spannende Einblicke in die Stadt und ihre Geschichte, aber auch in seine persönliche Geschichte geben. Nach ein paar Gruppenfotos vor dem Rathaus kehrten wir schließlich zum Internat zurück und wurden ins Wochenende entlassen, das wir in unseren Gastfamilien verbrachten.
Die Wochenendgestaltung fiel ganz unterschiedlich aus: Einige von uns nahmen an der Jubiläumsfeier zum 40-jährigen Bestehen des Austausches teil, andere verbrachten den Samstag in Paris oder unternahmen verschiedene Aktivitäten mit ihren Gastfamilien. Unabhängig davon, wie wir unsere Zeit gestalteten, hatten wir alle viel Freude und sammelten wertvolle Erfahrungen.
Der Montag begann – bedingt durch den Ausfall einer Lehrkraft – mit einer Freistunde, die wir mit Arbeitsaufträgen in der Bibliothek verbrachten. Monsieur Francois, der 'documentaliste' des Lycée Margueritte, verschaffte uns anschließend einen Einblick in verschiedene französische Zeitschriften, deren wichtigste Informationen wir uns gegenseitig auf Französisch vorstellten. Danach besuchten wir das Mémorial sowie das Ossuaire, das zentrale Denkmal der Schlacht von Verdun. Dieser Programmpunkt hinterließ bei uns einen besonders nachhaltigen Eindruck, da wir die historischen Ereignisse auf eindrückliche Weise nachvollziehen konnten – und uns bewusst wurde, dass sich solche Geschehnisse niemals wiederholen dürfen. Am Abend aßen die Internatsschülerinnen und -schüler gemeinsam in der Kantine, während die anderen in ihre Gastfamilien zurückkehrten.
Am Dienstag brachen wir zu einem Ausflug nach Reims auf. Dort besichtigten wir die Kathedrale sowie Teile der Stadt. Vor allem die Kathedrale beeindruckte viele von uns durch ihre prunkvolle Architektur und ihre besondere Atmosphäre. Anschließend erhielten wir eine Führung durch den Champagnerkeller von Pommery-Vranken, der zugleich als Kunstausstellung dient. Dort erfuhren wir, wie Champagner hergestellt wird und wie die Hefe aus der Flasche entfernt wird.
Der Mittwoch begann leider mit einer kleinen Enttäuschung: Es regnete – ausgerechnet an dem Tag, an dem eine Stadtrallye durch Verdun geplant war. Zunächst nahmen wir jedoch am Fremdsprachenunterricht teil, der sich deutlich von unserem Unterricht unterschied. Es wurde überwiegend Französisch gesprochen, und auch die Unterrichtsstunden waren deutlich länger als in Deutschland. Anschließend machten wir uns trotz des Regens auf den Weg zur Rallye. Die meisten von uns meisterten die informativen Aufgaben erfolgreich und erhielten als Belohnung einen eigens für uns gestalteten Stift. Den restlichen Nachmittag durften wir frei mit unseren „corres“ verbringen, was uns allen große Freude bereitete.
Am Donnerstag, unserem letzten gemeinsamen Tag, führte uns Monsieur Ceppetelli durch die Technikräume der Schule. Die „Site Vauban“ beherbergt nicht nur einen Teil des Internats, sondern bietet auch Möglichkeiten für eine berufliche Ausbildung. Im Anschluss sahen wir den Film „Frantz“, der uns für fast zwei Stunden fesselte. Danach trafen wir uns in deutsch-französischen Gruppen, um die erlebnisreiche Woche Revue passieren zu lassen, uns auszutauschen und die einzelnen Programmpunkte in kurzen Präsentationen zusammenzufassen. Damit ging dieser eindrucksvolle Tag – und leider auch die gesamte Woche – zu Ende.
Am Freitag trafen wir uns um 8 Uhr zur Heimreise. Dass dieser Tag als Unglückstag gilt, erschien vielen von uns in diesem Moment durchaus passend, denn uns wurde bewusst, dass diese wunderbare, lustige und prägende Woche vorbei war und wir die Zeit mit unseren „corres“ bereits jetzt vermissten.
Insgesamt war der Austausch eine äußerst wertvolle Erfahrung. Er hat uns nicht nur gezeigt, dass Verständigung auch ohne perfekte Sprachkenntnisse möglich ist, sondern auch, wie wichtig der interkulturelle Austausch über Ländergrenzen hinweg ist. Aus diesem Grund würden wir jederzeit wieder teilnehmen und können den Austausch nur wärmstens weiterempfehlen.
Frieda, Karim, Heidrun Fortner