Schuljahresende: Tag des Abschieds mit viel Humor
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Es mag abgedroschen anmuten, wieder einmal die Redewendung vom „lachenden und weinenden Auge“ zu bemühen. Aber es gibt nun einmal keine bessere Umschreibung für Abschiede am Gymnasium Neureut – insbesondere, wenn es um drei Kolleginnen geht, die viele Jahre an der Schule in der Unterfeldstraße gewirkt haben. Alle drei haben tiefe Spuren hinterlassen und werden in den Klassenzimmern und im Lehrerzimmer schmerzlich vermisst werden, wurden aber dennoch voller Humor verabschiedet: Beate Göhler, Mechthild Zwingmann und Monika Pfeiffer.
Überhaupt war dieser letzte Schultag ein Tag des Abschieds von vielen beliebten Kolleginnen und Kollegen, Referendarinnen und Vertretungslehrkräften. So verlassen die Referendarinnen Yade Gökhan, Annika Kapfenstein und Jule Schaubhut das Gymnasium Neureut an andere Schulen. Auch Irene Gottfried, die ein Jahr lang Französisch und Englisch als Krankheitsvertretung unterrichtet hat, hat wieder eine Stelle an einem anderen Gymnasium gefunden, wie Patrick Krätz, stellvertretender Schulleiter, betonte. Schmerzlich vermissen werden Schülerinnen und Schüler sowie das Kollegium auch Maik Funk, der mit Herzblut und Engagement in den Fächern Naturwissenschaft und Technik sowie in Chemie gewirkt hat. Mit einem Video durchweg positiver Statements von Schülerinnen und Schülern verabschiedete sich seine Fachschaft herzlich von dem jungen Kollegen, der ebenfalls eine neue Wirkungsstätte an einem Gymnasium gefunden hat.
Maßgeblich beteiligt am Aufbau des Gymnasiums Neureut als Umweltschule mit EMAS-Zertifizierung war Beate Göhler. „Sie werden eine große Lücke hinterlassen – insbesondere im ökologischen Bereich“ betonte Schulleiterin Eva Gröger-Kaiser. Die Französisch- und Geographie-Lehrerin war 2008 ans Gymnasium Neureut gekommen und hatte sich sehr schnell für den Umwelt-Bereich engagiert. Sie initiierte den Verkauf von Recycling-Papier, organisierte die Altpapiersammlung und das Energie-Einsparprojekt und entwickelte die Forscherwoche mit. Harte Arbeit war die Entsiegelung von Teilen des Schulhofes, die sie zusammen mit Schülerinnen und Schülern angepackt hat. Darüber hinaus war sie federführend bei der Schulpartnerschaft mit Ecuador. Sie hat jahrelang die DELF-AG betreut und den Austausch mit Verdun begleitet und organisiert. Vielen Kolleginnen und Kollegen nicht bekannt war die musikalische Seite von Beate Göhler. Sie spielt Horn und hätte sich durchaus ein Musik-Studium vorstellen können. Und nachdem sich ihre Fachschaften Geographie und Französisch mit einem launigen Abschieds-Geocoaching und einem Quiz für die Kolleginnen und Kollegen verabschiedet hatten, wartete Beate Göhler mit einer ganz eigenen Art des Adieu auf: Statt einer Rede spielte sie für ihre Fachschaften und die Ökogruppe jeweils passende Stücke auf dem Horn an: so die Marseillaise für die Französisch-Fachschaft oder „Happy Farmer“ für ihre Öko-Gruppe. In ihre zukünftige Schule in Baden-Baden kann sie mit dem Fahrrad fahren und muss nicht mehr fast täglich im Stau stehen – das war der Grund für ihren Wunsch nach Versetzung.
Seit 2001 war Mechthild Zwingmann am Gymnasium Neureut im Dienst – mit den Fächern Deutsch, Geschichte und Psychologie – nachdem sie einige Jahre in der Heimschule Lender in Sasbach unterrichtet hatte. Schon damals lag ihr Interesse im Bereich der Beratung, Supervision, Pädagogik und Pädagogischen Psychologie. Sie absolvierte eine Supervisions- und Mediatoren-Ausbildung sowie ein Zusatzstudium in Pädagogik und Pädagogischer Psychologie. Nachdem sie zunächst einen Lehrauftrag im Fach Pädagogik am Seminar für Ausbildung und Fortbildung der Lehrkräfte in Karlsruhe erhielt, wurde sie 2008 dann dort Fachberaterin bzw Fachleiterin für Pädagogik und Pädagogische Psychologie. Sie unterrichtete nur noch wenige Stunden am Gymnasium Neureut – vor allem Psychologie und Geschichte – blieb der Schule und den Lehrkräften aber eng verbunden. „Ruhe, bedingungslose Zugewandtheit, Menschlichkeit und Einfühlungsvermögen“ seien herausragende Eigenschaften von Mechthild Zwingmann – und dies gepaart mit Klarheit und Struktur, wie Eva Gröger-Kaiser betonte. Zukünftig wird sie ausschließlich am Seminar tätig sein, bevor sie in den Ruhestand geht. In ihrer Abschiedsrede erzählte die engagierte Pädagogin von den schwierigen Anfängen zu Beginn der 90er-Jahre, als Stellen an den Gymnasien rar waren, die Zahl der Absolventen aber groß. Heute kann sie auf ein reiches Arbeitsleben zurückblicken – geprägt von ein wenig Glück, viel Kompetenz und Fleiß. „Es sind die Begegnungen mit Menschen, die das Leben lebenswert machen – ich bin dankbar für die Anfangsjahre, in denen ich viele von euch näher kennenlernen durfte und in denen sich Freundschaften und produktive Arbeitsbündnisse ergeben haben“, erklärt sie und schließt mit dem Gedicht „Seinen Ort finden“ von Rose Ausländer. Nur nachdenklich und wehmütig sollte aber auch dieser Abschied nicht bleiben. Drei Kolleginnen der Fachschaften Deutsch und Geschichte wurden flugs zum Oberärztinnen-Team einer „Anstalt“, die ganz starke Ähnlichkeit mit dem Gymnasium Neureut hatte. Vorgestellt wurde die Ärztliche Fallbesprechung der Patientin Mechthild Zwingmann. Man prüfte die Entlassung, attestierte der Patientin einen „Hyperfokus auf Pädagogik“, bescheinigte ihr aber mit Hilfe eines Psychogramms eine hervorragende Prognose.
Enorm viel „vorangebracht und mitgestaltet“ hat Monika Pfeiffer, wie Eva Gröger-Kaiser betonte. Die Lehrerin für evangelische Religion, Geschichte und Gemeinschaftskunde unterrichtete seit 2011 am Gymnasium Neureut, nachdem sie zunächst am Lessing-Gymnasium tätig war und dann Anfang der 2000er-Jahre fünf Jahre mit ihrer Familie in Papua-Neuguinea verbracht und dort an Privatschulen und der Universität gelehrt hatte. Nach einer Zeit am Helmholtz-Gymnasium kam sie nach Neureut und hat sich hier in besonderem Maße in der Friedens- und Demokratiebildung, im Umweltschutz, bei Andachten und Gottesdiensten, in der Ökumene, in Sozialprojekten und beim Besuch von außerschulischen Lernorten engagiert. Seit Jahren organisierte sie auch die Juniorwahl. Ihr Augenmerk, so Eva Gröger-Kaiser, habe immer in besonderem Maße auf dem Wohl der Schülerinnen und Schüler gelegen. Neben ihrem sichtbaren Wirken habe sie in der Schule auch im Stillen gewirkt: sei es beim Aufstellen des Weihnachtsbaumes in der Pausenhalle gewesen, beim jährlichen Ausrichten des „Eine-Welt-Marktes“ im Lehrerzimmer oder beim Bestücken von Tischen und Klassenzimmern mit Blumen. „Du hast das Thema Friede und Hoffnung immer wieder auf die Tagesordnung gebracht“, so Lehrerin Claudia Klant, die zusammen mit der gesamten Fachschaft Religion Monika Pfeiffer in den Ruhestand verabschiedete. Ein Olivenbäumchen – als biblisches Symbol – gab die Fachschaft ihr mit auf den Weg, das „bei guter Pflege 2000 Jahre alt werden kann“. Für ihre Schülerinnen und Schüler sei ihr kein Weg zu weit gewesen, so Claudia Klant. „Wir sind dankbar für alle Spuren, die du hinterlässt“. Während Pfarrer Pascal Würfel mit einem wunderbaren Rap-Gedicht aufwartete, hatte die Fachschaft Geschichte ein „Interview mit der Geschichte“ vorbereitet, in der Jahreszahlen von geschichtlichen Ereignissen mit wichtigen Stationen aus Monika Pfeiffers Leben abgeglichen wurden – ein Quiz für das Publikum. Monika Pfeiffers Rede selbst war keinesfalls ernst oder offensichtlich von Abschiedsschmerz geprägt; vielmehr erzählte sie kurzweilig, humorvoll und mit ausdrucksstarken Fotos von ihrer Zeit in Papua Neu-Guinea.
Aber bevor das Kollegium dann endgültig Abschied nahm von liebgewonnenen Kolleginnen und Kollegen und dem vergangenen Schuljahr, genossen alle zusammen in der Mensa ein wunderbares Bufett, stießen auf die vergangenen Jahre an und auf alles, was da noch kommen möge. (mh) (Fotos: Maisch)