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Reise ins Mittelalter: Ein Besuch im Kloster Maulbronn

Die Kinder der 7a durften sich im Kloster wie Mönche und Nonnen verkleiden.

Vor der 1. Stunde trafen wir uns an der Straßenbahnhaltestelle, um mit der Bahn nach Bretten zu fahren. Dort mussten wir schnell in einen Bus umsteigen, um nach Maulbronn weiterzufahren. Nach einem kurzen Fußmarsch durch Maulbronn kamen wir am Kloster an und traten durch das große Tor in die Welt des Mittelalters ein. Unsere Klosterführerin begrüßte uns und erklärte uns, dass das Kloster den heutigen Mittelpunkt der kleinen Stadt Maulbronn bildet. Innerhalb der Klostermauern befinden sich heute das Rathaus, die Stadthalle und die Polizeistation von Maulbronn. 

Das Kloster von Maulbronn war im Mittelalter ein reines Männerkloster, in dem nur Mönche und keine Nonnen lebten. 

Zuerst gingen wir in die Klosterkirche, den wichtigsten Ort der Mönche, da sie dort immer beteten. Die Kirche war unterteilt in einen hinteren Bereich, der nur den geweihten Mönchen vorbehalten war, die meist aus Adelsfamilien stammten, Latein sprachen und lesen und schreiben konnten und einen vorderen Bereich für die Laienbrüder, die meist aus armen Bauernfamilien kamen und kein Latein verstanden und auch nicht lesen und schreiben konnten. 

Es gab am Tag immer acht Gebete: die ‚Matutin‘, die oft um 2 oder 3 Uhr nachts stattfand, die ‚Laudes‘ um 5:30 bis 6 Uhr, also das Morgenlob bei Sonnenaufgang, die ‚Prim‘ zur ersten Stunde des Tages um ca. 6 Uhr und die ‚Terz‘ zur dritten Stunde gegen 9 Uhr. Um 12 Uhr gab es dann die ‚Sext‘, das Mittagsgebet zur sechsten Stunde, um ca. 15 Uhr zur neunten Stunde die ‚Non‘ und von 17:30 bis 18 Uhr die ‚Vesper‘, das Abendgebet und von ca. 19:30 bis 20:30 Uhr das Nachtgebet vor dem Schlafengehen, die sogenannte ‚Komplet‘.

Im Kirchenbereich für die Mönche gab es nur das Chorgestühl, d.h. eine Art Klappsitz, in dem man stehen musste. Falls ein Mönch während des Gottesdienstes einschlief und nach unten sackte, klappte der Sitz mit einem sehr lauten Knall zu und alle Mönche erkannten den Schläfer. Deshalb stammt der heute noch gängige Satz ‚Halt die Klappe‘ aus dieser Zeit. Gemeint waren nämlich die mittelalterlichen Holzklappsitze des Chorgestühls, die man ‚halten‘ sollte, damit sie nicht zufallen konnten. Wenn ein Mönch mal bei einem Gebet einschlief, musste er sich als Strafe auf den kalten Boden knien und so ca. 2 Stunden beten. 

Anschließend gingen wir aus der Kirche in den Kreuzgang, in dem die Mönche betend einen kleinen Garten mit einem großen Magnolienbaum umkreisten. Heute befinden sich dort im zweiten Stock die Klassenräume des Internats von Maulbronn. Dieses Internat hatte auch ein paar berühmte Schüler, z.B. den Mathematiker Johannes Kepler oder den Dichter Hermann Hesse. Viele Schüler haben im Laufe der Jahrhunderte ihren Namen und Jahrgang, z.B. 1643, in die Mauern des Klosters eingeritzt.

Die Mönche mussten im Mittelalter die Regel des heiligen Benedikts befolgen: Ora et labora (bete und arbeite). Sie durften z.B. auch nicht heiraten (ZöIibat) und sie sollten nicht reden, um sich ganz auf das Gebet zu Gott konzentrieren zu können. In einem einzigen Raum durften die Mönche miteinander reden, dem sog. ‚Parlatorium‘, von franz. ‚parler‘ (sprechen).

Die Mönche durften auch nur zwei- bis dreimal im Monat baden. Das Wasser war kalt, warmes Wasser gab es nicht. Das ‚Kalefaktorium‘, der einzige beheizte Raum im Kloster, durfte nur benutzt

werden, wenn der Abt es erlaubte. Es gab keine Heizung im Kloster, deswegen muss man sich ein Klosterleben als sehr kalt und dunkel vorstellen.  

Nun kamen wir zum ‚Refektorium‘ (dem Speisesaal). Vor dem Essen wuschen sich die Mönche ihre Hände im Brunnen gegenüber dem Speisesaal. Wir erfuhren, dass der Ursprung des Klosters die

Quelle war, die diesen Brunnen speist. Ein Maulesel der Mönche hatte diese Quelle gefunden und an dieser Wasserstelle bauten die Mönche dann ihr Kloster und gaben ihm den Namen:  ‚Maulbronn‘. Auf einer 2 €-Münze aus dem Jahr 2013 ist der Brunnen und das Kloster Maulbronn dargestellt. 

Die Mönche aßen früher still, während ein anderer Mönch aus der Bibel vorlas. Zu trinken gab es meistens nur Wasser. Nach dem Essen durften die Mönche aber jeden Finger einmal in Wein stecken, der in einer Rinne an der dicksten Säule herunterfloss. Dieser Wein wurde‚11-Finger-Wein‘ genannt, da die Mönche gerne 11 Finger gehabt hätten, um noch mehr Wein zu ‚schlecken‘.

Auch beim Essen sollten sich die Mönche mäßigen, deshalb war das Essen der Mönche im Mittelalter meist sehr einfach: Haferbrei, Brot, Kraut und Rüben oder anderes Gemüse. Fleisch gab es nur an besonderen Festtagen. Die Legende besagt, dass die Maultauschen in Maulbronn erfunden wurden: während der Fastenzeit vor Ostern soll ein Mönche verbotenerweise Fleisch zubereitet haben. Zuerst hackte er es klein und mischte es unter das Gemüse, aber da ihn trotzdem das schlechte Gewissen plagte, versteckte er das Ganze noch in kleinen Taschen aus Nudelteig. So konnte er das Fleisch vor den Augen Gottes und seiner Mitbrüder verbergen – und servierte die ‚Maultaschen‘ als Fastenspeise. Im Volksmund werden die Maultaschen daher auch „Herrgottsb‘scheißerle“ genannt.

Die Mönche und Laienbrüder aßen im Kloster nicht zusammen. Im Speisesaal der Laienbrüder, dem ‚Laienrefektorium‘, finden heute die Konzerte im Kloster Maulbronn statt. 

Nach der Führung durften wir Körbe flechten, da die Mönche im Mittelalter Selbstversorger waren und alles für den täglichen Bedarf im Kloster selbst hergestellt haben. Mit den in Wasser eingeweichten und deshalb biegsamen Weidenruten konnten wir kleine und große Körbe oder flache Untersetzer flechten. 

Danach durften wir in das Kindermuseum  „Pssst...! – Die junge Klosterwelt“. Dort zogen wir zuerst ein Armband mit dem Namen eines Mönchs und konnten seine Rolle einnehmen. Wir verkleideten uns wie ein Mönch und entdeckten an verschiedenen Spieltischen, wie die Mönche damals lebten, was sie aßen oder wie sie bauten. Wir konnten unseren Namen in der damaligen Schrift schreiben oder einen Film über das Leben im Kloster anschauen. 

Doch leider mussten wir nach drei Stunden die Welt des Mittelalters wieder verlassen und in die Gegenwart zurückkehren. Auch wenn die Reise ins Mittelalter sehr spannend und lehrreich gewesen ist und uns das Korbflechten großen Spaß gemacht hat, in einem Kloster im Mittelalter leben hätte keiner von uns gewollt. 

(Emma, 7a mit Unterstützung von Fr. Buff)

Maulbronn