„Heimsuchung“: Ausdrucksstarke und emotionale Aufführung
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Das gleichnamige Buch von Jenny Erpenbeck hatten wir zuvor bereits ausführlich im Unterricht behandelt, sodass sich die Inszenierung gut erschließen ließ.
Schon beim Ankommen beeindruckte das prachtvolle, historische Gebäude. Über einen roten Teppich gelangte man in das Innere des Theaters, das mit goldenen Verzierungen, kunstvollen Malereien und großen Kronleuchtern geschmückt war. Auch der rundliche Theatersaal zeigte den typischen Bau einer eleganten Oper.
Zu Beginn erhielten wir eine kurze Einführung, in der die Handlung des Buches zusammengefasst und wichtige Figuren vorgestellt wurden. Anschließend begann die Aufführung. Die Inszenierung folgte bis auf wenige Ausnahmen dem Buch. Besonders auffällig war das Spiel mit den Rollen: Insgesamt sieben Schauspielerinnen und Schauspieler schlüpften abwechselnd in verschiedene Figuren. Dabei kam es vor, dass mehrere Darstellende gleichzeitig eine Figur verkörperten oder eine Person mehrere Rollen übernahm. Obwohl man meinen könnte, dass dies zur Verwirrung führt, tat es dem Stück keinen Abbruch, sondern zeigte vielmehr die emotionale Zerrissenheit der Protagonisten.
Die Handlung erstreckt sich über das gesamte 19. Jahrhundert, was auch in den Kostümen sichtbar wurde. Diese reichten von traditionellen Kleidern bis hin zu moderner Kleidung. Teilweise zogen sich die Schauspieler sogar direkt auf der Bühne um und wechselten so sichtbar die Rollen. Alter und Geschlecht hatten dabei keine Relevanz. Die schauspielerische Leistung war sehr beeindruckend. Emotionen wie Wut wurden sehr intensiv dargestellt, etwa durch laute Aktionen, wie das Schlagen mit einer Axt auf Holz oder durch ausdrucksstarke Ausbrüche. Dabei gelang es den Darstellenden durchgehend, das Publikum emotional mitzunehmen. Ebenfalls überzeugten sie durch eine hohe Textsicherheit, die sich nah am Buch hielt.
Das Bühnenbild war hingegen eher schlicht gehalten und bestand aus dem Rohbau eines Holzhauses. Durch den Einsatz einer Drehbühne entstand dennoch der Eindruck von Veränderung im Laufe der Zeit. Auch die Umgebung wurde mit einfachen Mitteln angedeutet, beispielsweise durch ein kleines Beet, das einen Garten darstellte.
Vor allem die erste Hälfte der Aufführung zeichnete sich durch den gezielten Einsatz von Licht- und Toneffekten aus. So wurde die Zeit des Nationalsozialismus beispielsweise durch dunkles, blaues Licht inszeniert. Neben elektronischen Klängen trug auch ein Pianist zur musikalischen Gestaltung bei. Ungewöhnlich war, dass dieser zeitweise mitten im Publikum saß und so eine zusätzliche Nähe und Emotionalität erzeugte.
Insgesamt wirkte die Inszenierung sehr intensiv und spannend. Besonders eindrucksvoll war der Umgang mit schwierigen Themen, wie einer Vergewaltigung oder dem Mord eines Kindes. Diese wurden emotional eindringlich dargestellt, zugleich aber auch künstlerisch abstrahiert.
Die zweite Hälfte empfanden wir stellenweise als etwas langatmiger, da viele Nebenfiguren in den Fokus rückten.
Insgesamt bleibt uns der Theaterbesuch jedoch sehr positiv in Erinnerung. Ein herzlicher Dank geht an Frau Griesinger und an Frau Metzger für die Organisation. Wir freuen uns bereits auf den nächsten Theaterbesuch und die Aufführung von „Der zerbrochene Krug“. (Ellen, J2)