Exkursion ins Residenzschloss: Freiheitsbewegungen im Fokus
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Wie sah die Geschichte aus? Wie viele Generationen mussten dafür kämpfen und welches Risiko gingen sie ein? Diese Fragen beschäftigten die Schüler des Geschichtsleistungskurses. Um die Antworten zu finden, führte der Weg ins Residenzschloss Rastatt zur Erinnerungsstätte für die Freiheitsbewegungen in der deutschen Geschichte des Bundesarchivs.
Der Tag begann mit einer Führung durch die Ausstellung. Uns wurden viele originale Exponate vorgeführt, wie zum Beispiel die damalige Pressemaschine, mit der zahlreiche Flugblätter erstellt wurden. Diese waren ein wichtiges Kommunikationsmittel. Durch die Pressefreiheit konnten Meinungen verbreitet und zur Revolution aufgerufen werden. Das Volk wollte Freiheit, das große Ziel war die Errichtung eines Nationalstaats. Wir bekamen auch die erste schwarz-rot-goldene Flagge zu sehen, die als Symbol für die Freiheitsbewegungen von 1848/49 steht. Außerdem wurde uns erklärt, welche Grundrechte von den Revolutionären in der Paulskirche gefordert wurden und wie wichtig diese für unser heutiges Grundgesetz sind. Die Hauptattraktion unseres Besuchs war die Vorstellung des historischen Propagandafilms „Hitlerjunge Quex“. Dieser zeigte uns, wie die Nationalsozialisten das Unterbewusstsein der Menschen manipulierten und den Aufstieg der NSDAP begünstigten. Nach 95 Minuten war der Film zu Ende und die Entspannungsphase vorbei.
Jetzt hieß es für den Leistungskurs: an die Arbeit. Wir Schüler bildeten Gruppen und analysierten den Film sorgfältig. Ziel war es herauszufinden, wie es den Machern gelungen ist, so viele Menschen zu manipulieren und die Mehrheit der Bevölkerung zu gewinnen. Dazu gestalteten die drei Gruppen große Plakate und stellten ihre Ergebnisse dem Kurs vor. Einzelne Szenen wurden genau unter die Lupe genommen. Am Ende kamen alle Gruppen zu sehr ähnlichen Ergebnissen. Viele fanden es faszinierend, wie einfach es früher war, Menschen zu manipulieren. Die Intention der Filmvorführung war, dass wir lernen, Medien und politische Propaganda kritisch zu hinterfragen.
Abschließend durfte der Kurs den Ahnensaal betreten. Der 280 Quadratmeter große Raum gilt als der größte und prunkvollste Raum im Schloss. Beim Betreten sticht sofort das große Deckenfresko ins Auge, das die Aufnahme des Herkules in den Olymp zeigt. Neben den vielen Kronleuchtern hingen zahlreiche Ahnenporträts der Familie des Markgrafen. Der ganze Raum ist im barocken Stil gehalten. Die Inhalte sind nicht frei verkäuflich, weshalb es keinen geschätzten Geldwert gibt, sondern vor allem einen kulturellen, geschichtlichen und architektonischen Wert. Der Ahnensaal hat auch eine starke politische Bedeutung. Eigentlich als prunkvoller Festsaal für den Fürstenhof gebaut, wurde er 1849 zum traurigen Schauplatz der Badischen Revolution. Nach der Kapitulation tagte hier das preußische Standgericht. In diesem Raum wurden 21 Todesurteile gesprochen, 19 davon wurden vollstreckt. Genau hier endete der letzte große Kampf für einen demokratischen deutschen Nationalstaat. Später, zwischen 1946 und 1954, diente der Saal als Gerichtssaal für die Rastatter NS-Prozesse, bei denen viele nationalsozialistische Täter verurteilt wurden. Leider neigte sich der Tag dem Ende zu und wir fuhren zurück nach Karlsruhe. Auf der Fahrt haben wir die wichtigsten Erkenntnisse noch einmal zusammengefasst und unsere Ausgangsfragen beantwortet. (Arthur Bäcker J1)