Exkursion ins KZ nach Natzweiler: Unfassbare Grausamkeiten
.
Alle 9. Klassen besuchten das Konzentrationslager Natzweiler-Struthof, um das zu der Zeit in Geschichte behandelte Thema hautnah zu erleben. Wir starteten den Tag um 8 Uhr mit dem Film „Death Mills“, um uns darauf vorzubereiten, mit was wir in den nächsten Stunden konfrontiert würden. Allein schon während der 2-stündigen Busfahrt wurde uns bewusst, welche ewig weite Strecke die Häftlinge zu Fuß auf sich nehmen mussten, um das KZ zu erreichen. Einmal dort angekommen, betrug die durchschnittliche Überlebenszeit 6 Monate. Das KZ befindet sich in den Vogesen in Frankreich und wurde während der deutschen Besatzungszeit im Zweiten Weltkrieg im Jahre 1941 auf 800 Metern Höhe errichtet, um den in der Nähe vorhandenen roten Granit in einem Steinbruch abzubauen.
Nachdem wir angekommen waren, haben wir eine kurze Pause eingelegt und sind anschließend noch ein Stück weiter Richtung Eingang gelaufen. Schon auf dem Weg bemerkte man, wie sich die Gespräche reduzierten, um dem Ort den angemessenen Respekt zu erweisen. Durch das schöne Wetter war es nur schwer möglich sich vorzustellen, wie das Leben bei Minusgraden, mit nur einer hauchdünnen Häftlingskleidung, war. Vor Ort gab es für uns keine Führung, stattdessen wurden wir jeweils in Klassen aufgeteilt und anschließend von unseren Lehrern und Lehrerinnen zu verschiedenen Plätzen geführt, zu denen sie uns dann deren jeweilige Geschichte erzählten. Als wir an der Lagerküche vorbeikamen, wurden wir informiert, dass die Gefangenen zusätzlich zu den ohnehin unmenschlichen Lebensbedingungen viel zu wenig Essen bekamen. Der Tag startete mit einer kaffeeartigen Brühe und etwas Brot, mittags erhielt jeder Häftling einen Liter Suppe und abends dann wieder eine Kaffee- oder Teebrühe, ein paar Scheiben Brot, etwas Margarine, Marmelade und dazu ein Stück Dauerwurst. Durch diese Mangelernährung und die körperlich anstrengende Arbeit verloren die Häftlinge in der Regel in den ersten zwei bis drei Monaten 25 kg. Auch der Galgen wurde uns gezeigt. Wir hörten eine wahre Geschichte, in der ein Mann, der aus dem KZ versuchte auszubrechen, aber wieder eingefangen wurde, vor allen erhängt wurde. Die Hinrichtung dauerte ca. 45 Minuten, da er mit den Füßen noch den Boden berührte. Dies zeigt deutlich die Grausamkeit der Nationalsozialisten.
Wir liefen weiter den Hang hinunter und mit jeder Erzählung und mit jedem Schritt wurde uns klar, wie schlimm es damals war. Wir merkten, wie steil es alleine schon für uns war, und wie schwer es war, die „Stolpertreppe“ hoch zu laufen. Und dazu kam dann noch die körperliche Verfassung der Gefangenen. Unsere Stimmung wurde immer leiser und zurückhaltender. Nachdem wir uns alles angeschaut hatten, verließen wir das KZ und liefen ca. 10 Minuten zur etwas abgelegeneren Gaskammer. Die Gaskammer war „nur“ eine kleine Gaskammer, die für etwa 10 Personen ausgelegt war. Sie wurde zum Experimentieren mit unterschiedlichen Gasen genutzt. In einem Nebenraum hingen Bilder von den Opfern an der Wand, auch Schmuck und andere Sachen, die die Opfer noch bei sich hatten, z.B. Eheringe. Die Gaskammer wurde damals provisorisch in einer Gaststätte errichtet. Der Bus holte uns dort ab und gemeinsam fuhren wir wieder zurück nach Karlsruhe.
In Erinnerung bleiben uns die Grausamkeit und die Bilder dieser schlimmen Zeit. Wir haben uns alle gefragt, wie Menschen so etwas Grausames anderen Menschen antun konnten. Das auf Bildern, im Unterricht oder in Filmen zu sehen ist das eine, aber es dann alles in echt zu sehen, ist noch mal etwas anderes.
Wir können nicht rückgängig machen, was den Menschen damals durch die Deutschen angetan wurde. Wir können aber sehr wohl dafür sorgen, dass so etwas Schreckliches nicht nochmal passiert! (Marlene, Lisa, 9d)