„Das Warten lohnt sich“: Wenn etwas passiert, das alles verändert
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Wenn ein Mensch 80 Jahre alt wird, hat er in seinem ganzen Leben rund ein Jahr lang gewartet – auf das Bezahlen an der Kasse, die Straßenbahn, einen Termin beim Arzt, auf die Ankunft einer Freundin im Café. Nicht eingerechnet sind sehnsüchtig erwartete Ereignisse wie das Weihnachtsfest. Das lateinische Wort „advenire“ heißt ankommen, sich nähern. Im Advent also nähert sich der Geburtstag Jesu, auf dessen Ankunft die Christenheit jedes Jahr vier Wochen wartet. Oft wird Warten als quälend langweilig und nutzlos empfunden. Der Adventsgottesdienst am Gymnasium Neureut aber warf einen ganz anderen Blick auf diese Zeit.
So lautete der Titel des Gottesdienstes in der vollbesetzten Kirche St. Judas Thaddäus „Das Warten lohnt sich“. Feierlich und schön hatte die Fachschaft Evangelische Religion mit Lena Beisel und Daniela Rühle unter Mithilfe zahlreicher Schülerinnen und Schüler ganz verschiedener Altersgruppen den schon traditionellen Gottesdienst gestaltet.
So spielten Sechstklässler pantomimisch die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukas-Evangelium und Fünft- sowie Siebtklässler begleiteten unter der Leitung von Benjamin Belgart mit ihren Instrumenten die Weihnachtslieder. Siebtklässler nannten ihre Worte zum Advent, Achtklässler begrüßten die Gäste und Zehntklässler sprachen die Fürbitten und Segenswünsche.
„Advent – Das bedeutet: Du kommst her. In unsere Unruhe, unsere Hektik, in alles, was schwer auf unseren Schultern liegt wie ein Mantel aus Blei“. In ihrem wunderbaren Slam zum Thema Warten zeigte Religionslehrerin Daniela Rühle, dass Warten nicht langweilig und keine Plage ist. Vielleicht geht es darum, in sich selbst zu hören, das wirklich Wichtige zu finden. „Nicht als Warten´, bis endlich etwas vorbei ist´. Kein Warten, das man mit TikTok überbrückt. Sondern als eine Zeit, in der etwas in uns wachsen darf,“ erklärt Lena Beisel. In dieser für viele belastenden Zeit gäbe es Dinge, auf die zu warten fast unerträglich ist. „Menschen warten auf Frieden. Auf Entlastung. Auf jemanden, der sie versteht. Auf eine Nachricht, die Mut macht. Auf ein gutes Wort“, betont Lena Beisel. Auch in Bethlehem warteten Maria und Josef auf die Geburt ihres Kindes und die Menschen auf einen Retter. „Und plötzlich – unscheinbar, leise – passiert etwas, das alles verändert“. Das genau mache die Adventszeit zu einem sinnstiftenden Warten. Und so heißt es in Daniela Rühles Slam: „Das ist nicht langweilig. Oder umsonst. Komm, Licht. Komm, Hoffnung. Wir warten darauf, dass du kommst!“ (mh)