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Abiturjahrgang 2026: „Wir übergeben euch ein Stück Zukunft“

Das Foto zeigt den Abiturjahrgang vor dem BGV Gebäude

Gibt es ein schöneres Kompliment an eine Schule als das, dass sie ihren Schützlingen Orientierung gibt? Dass sie mit ihrer Bildung der Kompass gegen die Orientierungslosigkeit ist? Maia Auer, die diesjährige Scheffelpreis-Trägerin, machte in ihrer Rede dem Gymnasium Neureut genau dieses wunderbare Kompliment. Und so durften an diesem Abend nicht nur die 73 Abiturientinnen und Abiturienten und ihre Eltern auf das Erreichte stolz sein, sondern auch die Schulleitung und die Lehrkräfte. „Abios Amigos“ lautete das Motto des Abiturjahrgang 2026, der sich im Lichthof der BGV an der Durlacher Allee zusammen mit Eltern, Freunden und Lehrkräften von seiner Schulzeit verabschiedete. Das Motto dieser Feier, die von Fee Fleischer und Hannah Scheible moderiert wurde, passte gut, denn hinter der aufgekratzten Stimmung aus Stolz, Freude und Erleichterung blitzte durchaus das Wissen über den Abschied hervor: den Abschied von Mitschülerinnen und Mitschülern, von klaren Alltagsstrukturen, von einem ganzen Lebensabschnitt – ja, von Orientierung.

“Wir brauchen junge Menschen wie euch”

 „Amigos, das sind Menschen, mit denen ihr eine Zeit geteilt habt, die man später nicht zurückholen kann“, betonte Schulleiterin Eva Gröger-Kaiser in ihrer Ansprache an den Jahrgang. Es bleibe eine Gemeinschaft, die zusammengewachsen sei, die gelernt habe, miteinander umzugehen. Durch diesen Umgang miteinander trotz der Verschiedenheit der Individuen entstehe Demokratie, so die Schulleiterin. Dieser Jahrgang habe im Bewusstsein dieser Aufgabe am Gymnasium Neureut den Demokratietag mitentwickelt und gestaltet, der zukünftig jährlich als Projekttag stattfinden wird. „Ihr verlasst die Schule in einer Zeit, in der Demokratie keine Selbstverständlichkeit ist“, so Gröger-Kaiser. Debatten würden rauer, Menschen zögen sich in Lager zurück. „Gerade deshalb brauchen wir junge Menschen wie euch, die fragen: Was trägt mich? Was verbindet uns? Wofür stehe ich ein?“

Literatur als Kompass

Die gemeinsame Zeit der Schülerinnen und Schüler werde immer ein Teil ihrer Geschichte bleiben. Und nun beginne etwas Neues. „Der Neuanfang ist aufregend“, so die Schulleiterin. „Aber er kann auch verunsichern“. Diese Verunsicherung machte auch Maia Auer in ihrer Rede deutlich. Mit den „endlos vielen Wegen“, die nun möglich seien, fühlten sich viele verloren. Aber neben dieser individuellen Orientierungslosigkeit gebe es auch die allumfassende, globale Unsicherheit: durch den Zerfall der bisherigen Weltordnung, die Polarisierung der Gesellschaft, die Frage nach der Zukunft des Sozialstaats. „Der Kreis der Erosion schließt sich, indem Künstliche Intelligenz die letzte verbliebene Gewissheit vollends zerrüttet: unser Selbstbild“, so die Scheffelpreis-Trägerin. Was schlägt sie vor, um die Orientierung zu behalten? „Literatur ist der Kompass, der uns helfen kann, diesen Zustand zu verstehen und vielleicht sogar zu bestehen“. Als Beispiele nannte sie Werke, die die Ängste und Probleme ihrer Epochen aufgriffen und gleichzeitig Orientierung gaben: vom Barock bis zur Postmoderne.

Hervorragende Leistungen

Natürlich ging es an diesem Abend nicht nur darum, in die Vergangenheit zu blicken oder den Rucksack für die Zukunft zu schnüren. Es ging in erster Linie darum, das Erreichte zu bestaunen, im Hier und Jetzt zu feiern. Und die Leistungen dieses Abiturjahrganges sind außergewöhnlich. Bei einem hervorragenden Gesamt-Durchschnitt von 2,1 haben zwei die Traumnote von 1,0 erreicht: Maia Auer und Bastian von Langsdorff. Zehn Schülerinnen und Schüler haben eine bessere Abiturnote als 1,5 geschafft. Und insgesamt steht bei 29 Abiturientinnen und Abiturienten eine 1 vor dem Komma. Es konnten 35 Preise für hervorragende Leistungen in verschiedenen Fächern vergeben werden. Nicht zuletzt verlieh Siglinde Andor, stellvertretende Ortsvorsteherin von Neureut, den Sozialpreis der Ortsverwaltung an Bastian Kokott, der sich viele Jahre lang als Schulsprecher engagiert und den Social Media Account der Schule aufgebaut und betreut hat.

“Tor zu einer neuen Welt”

„Jetzt habt ihr es wirklich endgültig geschafft“, betonte auch Dr. Saskia Ziemann, Elternbeiratsvorsitzende, in ihrer Rede an den Abiturjahrgang und die Lehrkräfte. Das Abitur sei der Beweis, dass die Abiturienten und Abiturientinnen ihre Ziele mit Mut, Entschlossenheit und einem langen Atem erreicht hätten. „Damit habt ihr das Tor zu einer neuen Welt ganz weit aufgestoßen“.

“Euer Weg darf euer Weg sein”

Was wünscht man einem so leistungsstarken Abiturjahrgang, der seine Pubertät in Corona erleben musste und nicht zuletzt deshalb Resilienz ausgebildet habe, wie Eva Gröger-Kaiser betonte. „Ihr habt gelernt, mit Unsicherheit zu leben“. Und nun? Die wichtigste Reifeprüfung liege in der Frage, welcher Mensch man sein wolle.  „Ich wünsche euch Werte, die weiter reichen als Erfolg“, so die Schulleiterin. „Entwickelt eure Haltung weiter, bleibt lernfähig“. Und neben dem Abiturzeugnis gab die Schulleiterin den Absolventinnen und Absolventen noch ein weiteres schönes Geschenk mit: „Euer Weg darf euer Weg sein. Wir entlassen euch nicht einfach aus der Schule. Wir übergeben euch ein Stück Zukunft. Nicht als Last. Sondern als Möglichkeit.“ (mh) (Fotos: Maisch)